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Publications


Reinhold Glei und Roberto Tottoli: Ludovico Marracci at work

In 2012, the manuscripts of the famous Oriental scholar Ludovico Marracci (1612-1700) were discovered in the library of the Ordine dei Chierici Regolari della Madre di Dio in Rome. Amounting to almost 10,000 pages, the 15 manuscripts include Marracci’s work material, notes and significant information on his approach to transcribing, translating and commenting the Qur’ān, and different versions of his translation. In fact, Marracci’s work on the Qur’ān solicits the interest of scholars of Islamic studies and the early history of this discipline as well as the interests of Latinists and historians of Early Modern Europe. As an example, one individual Sura of the Qur’ān (no. 18, al-Kahf, “The Cave”) has been chosen to show Marracci’s methods of working.
The book as a whole is the product of a shared discussion, but is also made up of parts carried out by each of the authors separately. The first part (I.1-4), describing the early steps in Marracci’s work, is by Roberto Tottoli, who further examines the use of Qur’ānic exegesis in order to analyse Marracci’s use of Islamic sources and their reflections in the various layers of the translation. In the second part (II.1-5), Reinhold Glei discusses the questions connected to the Latin texts. In particular, he shows the development from a target language oriented to a source language oriented translation. To this purpose, editions of the various Latin versions of Sura 18 preserved in the manuscripts and a detailed linguistic commentary are included. A double Latin word index (on the first and final versions) is provided in the appendix, which also includes digital reproductions of the discussed parts of the manuscripts.

  • Reinhold Glei und Roberto Tottoli: Ludovico Marracci at work. The evolution of his Latin translation of the Qurʾān in the light of his newly discovered manuscripts. With an edition and a comparative linguistic analysis of Sura 18. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2016. ISBN: 978-3-447-10551-4

Alexander-Kenneth Nagel u.a. (Hrsg): Religiöse Pluralisierung: Herausforderung für konfessionelle Wohlfahrtsverbände

In den vergangenen Jahrzehnten hat die religiöse und kulturelle Vielfalt in Deutschland zugenommen und als gesellschaftspolitisches Thema an Gewicht gewonnen. Im Hintergrund stehen globale Wanderungsbewegungen ebenso wie eine generell fortschreitende Ausdifferenzierung von Lebenslagen. Diese Entwicklungen stellen auch die öffentliche Organisation sozialer Wohlfahrt vor Herausforderungen, eröffnen aber auch neue Möglichkeiten. Im Besonderen gilt das für konfessionelle Wohlfahrtsverbände wie Diakonie und Caritas, die sich auf ein christliches Wertefundament berufen, das nunmehr mit den Realitäten moderner Einwanderungsgesellschaften und den Tendenzen wohlfahrtsstaatlichen Wandels in Einklang gebracht werden muss.

  • Traugott Jähnichen/Alexander-Kenneth Nagel/Katrin Schneiders (Hrsg.): Religiöse Pluralisierung: Herausforderung für konfessionelle Wohlfahrtsverbände. Stuttgart: Kohlhammer, 2015. ISBN: 978-3-17-030314-0.

Jens Schlamelcher: Ökonomiesierung der protestantischen Kirche?

Das Wort "Ökonomisierung" hat derzeit Konjunktur - innerhalb wie außerhalb sozialwissenschaftlicher Debatten. Vielerorts werden Ökonomisierungsprozesse konstatiert, gefordert oder kritisiert - und dies sowohl auf der Ebene der Organisationen (Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, öffentliche Verwaltung, Bundeswehr usw.) als auch auf der Ebene funktionaler Systeme (Ökonomisierung der Wissenschaft, der Bildung, des Gesundheitswesens etc.). Auch die Kirchen in ihrer Funktion als gesellschaftliche Beobachter greifen auf diesen Begriff zurück und rufen beispielsweise gegen eine "Ökonomisierung der Lebenswelt" (EKD 1998) auf. Doch kirchliche Ökonomisierungsdiskurse gibt es nicht nur in Bezug auf die kirchliche Umwelt. Seit Mitte der neunziger Jahre finden Debatten darüber statt, inwiefern die Kirche als Organisation selbst davon betroffen ist, bzw. ob eine Ausrichtung an unternehmerischen Praktiken einen Ausweg aus der derzeitigen Mitgliedschafts- und Finanzkrise darstellen könnte. Die vorliegende Dissertation geht der Frage nach, welche strukturellen Prozesse stattfinden, die unter dem Begriff der Ökonomisierung diskutiert werden und inwiefern auch die Kirchen davon betroffen sind.

Inhaltsverzeichnis

Vollständiger Titel:

  • Schlamelcher, Jens. Ökonomisierung der Protestantischen Kirche? Sozialgestaltliche und religiöse Wandlungsprozesse im Zeitalter des Neoliberalismus. Religion in der Gesellschaft 36. Würzburg: Ergon, 2013. ISBN: 978-3-89913-984-6.

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Dimitrij Owetschkin (ed.)

Tradierungsprozesse im Wandel der Moderne

Religion und Familie im Spannungsfeld von Konfessionalität und Pluralisierung.

Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen, Reihe A: Darstellungen, Band 53

Essen: Klartext Verlag, 2012.

ISBN: 978-3837507898

In der Entwicklung der Moderne kam Tradierungs- und Sozialisationsprozessen eine zentrale Bedeutung zu. Durch sie wurden der soziale Wandel, aber auch seine Krisenhaftigkeit und die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" vermittelt. Religion und Familie stellten dabei gesellschaftliche Teilbereiche dar, in denen solche Diskontinuitäten und Kontinuitäten in einer besonders bezeichnenden Weise zum Vorschein kamen. Zugleich waren sie selbst tiefgreifenden Transformationsprozessen unterworfen. Diesen Transformationen und ihren Wechselwirkungen mit dem Wandel der Moderne in der zweiten Hälfte des 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert wird in dem Band aus interdisziplinären und internationalen Perspektiven nachgegangen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Wandel der Konfessionalität, den intergenerationellen Beziehungen sowie der Entwicklung von – christlicher und nichtchristlicher – Religiosität und Identität in pluralisitischen, vor allem migrationsbedingten Kontexten.

Ulli Roth (Hrsg.): Johannes von Segovia: De gladio divini spiritus

de gladio divini

Johannes von Segovia (gest. 1458), einer der bedeutendsten spanischen Theologen des 15. Jahrhunderts, gehört zu den wenigen Gelehrten des Mittelalters, die für eine gewaltfreie Auseinandersetzung der Christenheit mit dem Islam eintraten. Auf der Grundlage seiner Begegnungen mit Muslimen und den Erfahrungen sowohl aus der Kirchengeschichte als auch aus seinem eigenen Wirken während des Basler Konzils trat er für einen „Weg des Friedens und der Lehre“ ein. Hierfür wollte er die westliche Kirche nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 gewinnen und wandte sich dazu an bedeutende Kirchenvertreter wie Nikolaus von Kues, Jean Germain und Enea Silvio Piccolomini.

Sein umfangreiches Hauptwerk zum Islam De gladio divini spiritus, das von Ulli Roth nun erstmals ediert, übersetzt und erläutert wird, weist in vielen Punkten auf gegenwärtige Diskussionen voraus. Es gibt einen reichen Einblick in den Kenntnisstand und die Kontroversen über den Islam am Ende des Mittelalters. Zugleich dokumentiert es, welche Kerninhalte des christlichen Glaubens damals wie heute verständlich gemacht werden müssen. Es zeugt aber auch davon, welchen festgefahrenen Denkschemata selbst ein für die damalige Zeit offener und gesprächsbereiter Theologe verhaftet war. Sowohl in dem, was Johannes von Segovia für seine Zeit geleistet hat, wie auch in dem, was er nicht erbringen konnte, stellt die Abhandlung De gladio divini spiritus ein wertvolles historisches Zeugnis dar, das dazu beiträgt, sich in der heute so brennenden Frage des Miteinanders von Christentum und Islam Orientierung zu verschaffen.

  • Johannes von Segovia. De gladio divini spiritus in corda mittendo Sarracenorum. Edition und deutsche Übersetzung mit Einleitung und Erläuterungen von Ulli Roth. Corpus Islamo-Christianum 7. Wiesbaden: Harrassowitz, 2012. ISBN: 9783447067478.

Volkhard Krech (ed.): Religious Contacts in Past and Present Times

RELIGIONThis special issue of Religion is dedicated to results of the Käte Hamburger Kolleg "Dynamics in the History of Religions between Asia and Europe" and comprises an introductory article by Volkhard Krech outlining the KHK's research agenda and five articles by KHK researchers dealing with different religious contacts.

The articles are:

  • Volkhard Krech, "Religious contacts in past and present times: aspects of a research programme," doi:10.1080/0048721X.2012.642572
  • Damien Janos, "Qur'ānic cosmography in its historical perspective: some notes on the formation of a religious worldview," doi:10.1080/0048721X.2012.642573
  • Elisabeth Hollender, "The ritualization of circumcision in medieval Judaism in relation to Islam and Christianity: an overview," doi:10.1080/0048721X.2012.642574
  • Reinhold Glei and Stefan Reichmuth, "Religion between Last Judgement, law and faith: Koranic dīn and its rendering in Latin translations of the Koran," doi:10.1080/0048721X.2012.642575
  • Sven Bretfeld, "Resonant paradigms in the study of religions and the emergence of Theravāda Buddhism," doi:10.1080/0048721X.2012.642576
  • Marion Eggert, "'Western Learning', religious plurality, and the epistemic place of 'religion' in early-modern Korea (18th to early 20th centuries)," doi:10.1080/0048721X.2012.642577

Strassenbahnhaltestellen

Manfred Bauschulte:

Straßenbahnhaltestellen der Aufklärung. Studien zur Religionsforschung 1945-1989.

Marburg: Diagonal Verlag, 2012

ISBN 978-3-939346-15-9

 

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurden brennende Fragen nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Zivilisation akut. Seither sieht sich Religionsforschung, in die auf vielfältige Weise Heilsbedürfnisse und Untergangsängste der Religionen einfließen, mit dem "Zerbrechen der zivilisatorischen Balance" (Klaus Heinrich) konfrontiert. Diese Studien zeigen, wie nach dem "Zivilisationsbruch" von Krieg, Genozid und Atombombenabwurf auf der einen Seite verstärkt Motive der Aufklärung zur Geltung gebracht werden konnten, und wie sie auf der anderen Seite kategorisch verdeckt und ausgeblendet wurden. Vor diesem ambivalenten Hintergrund beschreiben sie exemplarisch die Grenzen und Erweiterungen des Umgangs mit den Stoffen der Religionen.
Am Beispiel von Joseph Beuys' Installation "Straßenbahnhaltestelle" (Biennale Venedig 1976) entwickeln die Studien ein analytisches Modell zur Erinnerungsarbeit, das kritische Perspektiven für die Religionsforschung aufzeigt, historische Verwerfungen wahrnimmt und Tabus der Verdrän-gung bricht. Dieses Analysemodell thematisiert das spannungsvolle Verhältnis von Aufklärung und Zivilisation, das seit seiner Entstehung in der Religionswissenschaft zur Debatte steht.
Implizit fragen die Studien, wie Religionsforschung zur Analyse der zivilisatorischen Krise beitragen, wie sie stoffgeschichtliche und erfahrungswissenschaftliche Grundlagen herausbilden kann: Worin liegt die Stabilität der Religionen? Welchen Beitrag zu Aufklärung und Gerechtigkeit leisten sie? Welches Verhältnis zur Zivilisation haben sie aktuell?

Volkhard Krech und Marion Steinicke (eds.):

Dynamics in the History of Religions between Asia and Europe: Encounters, Notions and Comparative Perspectives

Dynamics in the History of Religions 1

Leiden: Brill, 2011

ISBN-13: 978-9004185005

This first volume of our series with Brill 'Dynamics in the History of Religions' reviews the opening conference of the Käte Hamburger Kolleg at the Ruhr-University Bochum. The first section concentrates on the formation of what later came to be termed "world religions" through inter-religious contact, the second part focuses on the significance of interreligious contacts also during their expansive phase. Methodological problems of multi-perspective research and especially the lack of a general religious terminology are discussed in the third chapter, while the final papers outline various aspects of secularization and (re-)sacralisation in the age of globalisation as an effect of multicultural contacts in a world wide web of religious interferences.

 

Volkhard Krech:

Wo bleibt die Religion? Zur Ambivalenz des Religiösen in der modernen Gesellschaft

Bielefeld: transcript-Verlag, 2011

ISBN-13: 978-3837618501




Has the importance of religion decreased in modern societies? Or is it experiencing an renaissance? In this monograph Volkhard Krech tackles this question which is controversially discussed in the humanities and the social sciences, but also in the general public.

The study combines theoretical considerations with case studies, and covers a wide range of topics relevant to the study of religion today. Starting out with a review on the most important sociological theories of religion Krech identifies four paradigms of research. Especially the religion as communication is covered in details in a separate chapter. Chapter on the processes of institutionalization of organized religions and on the transformation and diffusion of religion follow. On the whole Krech positions himself beyond the dichotomies of conformity vs. diffusion and secularisation vs. the return of religion and focuses on the ambivalence of religion.

 

Jason Neelis: Early Buddhist Transmission and Trade Networks

This exploration of the early paths for Buddhist transmission within and beyond South Asia retraces the footsteps of monks, merchants, and other agents of cross-cultural exchange. A reassessment of literary, epigraphic, and archaeological sources reveals historical contexts for the growth of the Buddhist saṅgha from approximately the 5th century BCE to the end of the first millennium CE. Patterns of dynamic Buddhist mobility were closely linked to transregional trade networks extending to the northwestern borderlands and joined to Central Asian silk routes by capillary routes through transit zones in the upper Indus and Tarim Basin. By examining material conditions for Buddhist establishments at nodes along these routes, this book challenges models of gradual diffusion and develops alternative explanations for successful Buddhist movement.

  • Neelis, Jason. Early Buddhist Transmission and Trade Networks: Mobility and Exchange Within and Beyond the Northwestern Borderlands of South Asia. Dynamics in the History of Religions 2. Leiden: Brill, 2010. ISBN: 978-9004181595.

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Volker Rabens:

The Holy Spirit and Ethics in Paul.Transformation and Empowering for Religious-Ethical Life

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament II/283;

Tübingen: Mohr Siebeck, 2010

ISBN 978-3161498954

This study looks at the relationship of Spirit and ethics in Paul and his religious context. In the first part of the book, the author discusses the thesisestablished by the Religionsgeschichtliche Schuleand by modern interpretations of Paul against the background of Stoicism that the Spirit is a material substance which transforms people ontologically by virtue of its physical nature. In order to assess this approach, the author examines all the passages from the Hebrew Bible, early Judaism, Hellenism and Paul that have been put forward in support of this concept of ethical enabling. He concludes that the alleged material nature of the Spirit was neither part of the early Jewish nor of the Pauline notion of the Spirit. Furthermore, none of these nor the Stoic  writings themselves show that ethical living derives from the transformation of the "substance" of the person imbued with a physical Spirit. Accordingly, one cannot attest an inclusion of (nor a demarcation from) Stoic views in Pauline literature in this regard.

The second part of the study offers a fresh approach to the ethical work of the Spirit which is based on a relational concept of Paul's theology. Rabens argues that it is primarily through a deeper knowledge of, and an intimate relationship with God, Jesus Christ and the community of faith that people are transformed and empowered by the Spirit for a religious and ethical life. The author establishes this thesis on the basis of an exegetical study of a variety of passages from the Pauline corpus. In addition, he demonstrates that Paul lived in a context in which this dynamic of ethical empowering was part of the religious framework of various Jewish groups.

 

Görge K. Hasselhoff (Hrsg.):

Die Entdeckung des Christentums in der Wissenschaft des Judentums

Berlin: Walter de Gruyter, 2010

ISBN 978-3-11-024628-5

 

 

This collective volume explores an aspect of the “science of Judaism” which has received little attention up until now. In common use, this term is almost exclusively associated with the scholarly analysis of Judaism. In contrast, the authors of this volume illuminate the different encounters of Jewish scholars with Christianity and the impact of these encounters on the establishment of their Judaism.

 

Boethius_Cover

Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski und Franz Lebsanft (Hrsg.):

Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und Früher Neuzeit.

Berlin: Walter de Gruyter, 2010.

ISBN-13: 978-3110214154

 

Boethius, geboren um 480 n.Chr., war bereits ein anerkannter Gelehrter, als König Theoderich ihn als ranghöchsten Beamten an seinen Hof berief. Doch der politische Quereinsteiger war den Gefahren des Politbetriebs nicht gewachsen und wurde bald Opfer einer Palastintrige: Der Konspiration mit dem oströmischen Kaiser verdächtigt, fiel er bei Theoderich in Ungnade, wurde aller seiner Ämter enthoben, inhaftiert und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. In der Zeit vor seiner Hinrichtung (524 n.Chr.) verfasste er die Consolatio Philosophiae („Trost der Philosophie“), aber dieses Werk ist nicht, wie man erwarten könnte, das Tagebuch eines erschütternden persönlichen Schicksals, sondern eine fast nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was die antike Philosophie im Angesicht des Todes an Trostgründen aufbietet. Boethius war zwar nominell Christ und hat sogar einige trockene Traktate über dogmatische Fragen verfasst, im Herzen und im Denken aber war er ein antiker Mensch geblieben, dem in der Todesstunde nicht die christliche Heilsbotschaft, sondern nur die abstrakte Lehre der Philosophie Trost zu spenden vermochte: Sein Heiland war Sokrates, nicht Christus, und seine Apostel waren nicht Petrus und Paulus, sondern Platon und Aristoteles.

Dennoch wurde Boethius im Mittelalter als christlicher Märtyrer verehrt, weil er ein Opfer des Arianers Theoderich war. Dass die Trostschrift nichts Christliches enthielt, wurde dabei geflissentlich ignoriert – immerhin widersprach sie ja auch nicht ausdrücklich dem Christentum. Daher galt die Consolatio nicht als Teil des heidnischen Erbes, dessen Überlieferung infrage gestellt wurde, sondern als genuin christlicher Text, der fast ebenso bedeutend wurde wie die Bibel: Es gibt im Mittelalter über 400 Handschriften, zahlreiche Kommentare und Übersetzungen in die Volkssprachen. In der Frühen Neuzeit wurde das Werk dann vielfach gedruckt, grammatisch erklärt und sogar im Streit der Konfessionen eingesetzt.

Den vielfältigen Transformationen dieses christianisierten Boethius nachzugehen, ist die Absicht dieses Sammelbandes, an dem 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland mitgearbeitet haben.

 

Cohen

Dieter Adelmann:

„Reinige dein Denken“: Über den jüdischen Hintergrund der Philosopie von Hermann Cohen.
Aus dem Nachlass herausgegeben, ergänzt und mit einem einleitenden Vorwort versehen von Görge K. Hasselhoff.
Würzburg: Könighausen & Neumann 2010.

In dem vorliegenden Band geht es – gegen eine von Franz Rosenzweig vorgebrachte These – um den Nachweis, dass bereits vor den Kantschriften Hermann Cohens Aspekte der Religionsphilosophie standen, die aus der Ausbildung am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau und dem anschließenden Studium bei H. Steinthal herrührten. Diese blieben eine Konstante in Cohens Philosophie, die sowohl im Antisemitismusstreit von 1879/80 als auch in den religionsphilosophischen und religiösen Vorträgen in jüdischen Vereinen, die ab 1898 belegt sind, als auch im Engagement in der verfassten „Wissenschaft des Judentums“ ab 1902 nachweisbar sind. Eine zweite Konstante waren die synagogalen Musiktraditionen für die Ausformung der Philosophie. Der Autor Dieter Adelmann (1936-2008) hat als Mitarbeiter an der Werkausgabe einen Großteil seines Lebens der Erforschung des Werks von Hermann Cohen gewidmet. Er war u.a. Landesgeschäftsführer der SPD in Baden-Württemberg, Redakteur beim „Vorwärts“ sowie freier Publizist. Der Herausgeber Görge K. Hasselhoff, z.Z. Research Fellow am IKGF „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“ (Ruhr-Universität Bochum).

 

Maimonides

Görge K. Hasselhoff:

Moses Maimonides interkulturell gelesen
Nordhausen: Bautz 2009

Unter den mittelalterlichen jüdischen Gelehrten ragt Moses Maimonides (ca. 1138-1204) als eine der wichtigsten Gestalten heraus. Sein Werk umfaßt sowohl religionsgesetzliche (halachische) als auch philosophisch-enzyklopädische, bibelhermeneutische und medizinische Schriften, am bekanntesten sein halachischer Codex ›Mischne Tora‹ und sein philosophisches Werk ›Führer der Unschlüssigen‹. Die Werke entstanden in unterschiedlichen Kontexten seit den frühen 1160er Jahren. Der biografische Zusammenhang ihrer Entstehung und ihrer diversen Übertragungen in Sprachen verschiedener Kulturen seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert wird in dem vorliegenden Band nachgezeichnet und ausgewählte Aspekte des Denkens (im Blick auf Religionskontakte, Ethik und Lebensführung, sowie systematische Aspekte wie die Gotteslehre) werden interpretiert.

 

Cicero

Reinhold F. Glei:

Ciceros verlorene Götterlehre: Das vierte Buch De natura deorum.
Einleitung, Edition, Übersetzung mit Erläuterungen.
Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd. 76
213 Seiten, Trier 2008. 

Ciceros Dialog De natura deorum endet mit dem dritten Buch in der Aporie: Die epikureische und die stoische Position sind skeptizistisch demontiert, aber was der Autor selbst über die Religion denkt, erfahren wir nicht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts – wenige Jahre vor der Wiederauffindung von De re publica – entdeckte ein Franziskanerpater namens Seraphinus in einer alten Handschrift das vermisste vierte Buch; seine Publikation geriet jedoch, anders als der Palimpsest von Angelo Mai, in Vergessenheit. Mit dem Fund ist aber endlich das Rätsel der verlorenen Götterlehre Ciceros gelöst, und wir können lesen, dass der skeptische Philosoph in Wahrheit die Lehre von einer universalen Urreligion vertrat, die einem sensus internus, einem inneren Gefühl der Religiosität entstammt. Damit greift Cicero merkwürdigerweise ein Thema auf, das in der religionsphilosophischen Diskussion an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert heftig umstritten war (Fichte und Kant vs. Schleiermacher u.a.). Noch merkwürdiger ist, dass die kultischen Details der Urreligion in vielerlei Hinsicht römisch-katholisch anmuten: So behauptet Cicero beispielsweise den Vorrang der Tradition vor der Offenbarung und sogar die Unfehlbarkeit des römischen Pontifex Maximus in rebus fidei et morum.

Natürlich ist das Werk eine Fälschung – eine Mischung aus gelehrter Spielerei, religionsphilosophischem Diskurs und konfessionspolitischer Satire. Der Verfasser ist ein protestantischer Pfarrer und Schulmann, ein gewisser D. Hermann Heimart Cludius (1754-1835), Superintendent in Hildesheim. Er fingierte dieses Werk mit einem erstaunlichen Gespür für die Dialogtechnik und den Stil Ciceros, setzte aber auch deutliche Ironiesignale, so dass man das vierte Buch leicht als Fiktion erkennen konnte. Es ist ein bemerkenswertes Dokument sowohl philologischer Raffinesse als auch zeitgenössischer philosophischer und konfessioneller Diskussionen, das der Vergessenheit entrissen zu werden verdient.

Die vorliegende Ausgabe geht in einer ausführlichen Einleitung u.a. der Rezeption des Werkes nach, bietet eine kritische Edition mit einer (erstmaligen) Übersetzung ins Deutsche und gibt umfassende Erläuterungen zu allen Sachfragen, die der Text aufwirft.

 

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Markus Hero, Volkhard Krech und Helmut Zander (Hg.):

Religiöse Vielfalt in Nordrhein-Westfalen. Empirische Befunde und Perspektiven der Globalisierung vor Ort.
Paderborn: Schöningh 2007.
ISBN: 978-3-506-76456-0 

Die Untersuchung leistet einen empirisch fundierten Beitrag zur aktuellen Debatte über das Phänomen der religiösen Pluralisierung. Am Beispiel Nordrhein-Westfalens, dem migrationsstärksten Bundesland, wird erstmals eine Gesamtschau des religiösen Feldes einer größeren Region vorgelegt. In nahezu 9.000 Datensätzen wurden sämtliche Gemeinden oder Ortsgruppen aller in Nordrhein- Westfalen vertretenen religiösen Strömungen ermittelt. Neben der statistischen und kartographischen Aufbereitung religiöser Vielfalt stehen ihre gesellschaftlichen und politischen Kontexte im Vordergrund.

Anhand von Fallstudien zu ausgewählten Segmenten des religiösen Feldes werden die vielfältigen und teilweise gegenläufigen Entwicklungen religiöser Pluralisierung thematisiert. Fragen der Integration, der Identität und der Anerkennung kommen ebenso in den Blick wie die Themen Segregation, Konflikt und Wettbewerb.

Mehr Informationen

 

Religionsbahnhoefe

Manfred Bauschulte

Religionsbahnhöfe der Weimarer Republik
Studien zur Religionsforschung 1918-1933
Marburg: diagonal-Verlag 2007  

Im Marburger diagonal-Verlag ist als Ergebnis des von der DFG in den Jahren von 2004-2006 geförderten Projekts „Religionsforschung von 1918-1933“ das Buch „Religionsbahnhöfe der Weimarer Republik“ erschienen. Es untersucht Analysen zur religiösen Lage (von Siegfried Kracauer, Paul Tillich und Eugen Rosenstock), religiöse Gruppen- und Kreisbildungen (den Kreatur-, Kairos- und Eranos-Kreis) sowie repräsentative Paradigmen (Religion und Macht, Gnosisforschung und Psychoanalyse) der Weimarer Zeit.

Die starke Ambivalenz des Verhältnisses von Religion und Moderne, die in der Religionsforschung zum Ausdruck kommt, führen die Studien zu dem Schluss, dass es sich dabei einerseits um die gesteigerten Erwartungen nach religiöser Erneuerung und die Hoffnungen auf einen revolutionären Umbruch nach dem 1. Weltkrieg handelt, dass aber andererseits damit auch seit Ende der 20er Jahre die Vorwegnahme der NS-Herrschaft virulent wird. Das Denkbild der „Religionsbahnhöfe“ von Walter Benjamin charakterisiert emblematisch diese vieldeutigen Situationen des Wartens sowohl mit ihren religiösen und säkular-politischen als auch ihren inneren Ambivalenzen.

 

Lucian Hölscher (Hrsg.):

Das Jenseits
Facetten eines religiösen Begriffs in der Neuzeit

Göttingen: Wallstein Verlag 2007

ISBN-13: 978-3835302013

Wie haben sich Vorstellungen vom Jenseits während der Neuzeit verändert? Was haben diejenigen, die nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, dazu beigetragen?

Das Jenseits gehört, obwohl vielfach abgelehnt, zu den wichtigsten religiösen Konzepten der Neuzeit. An seiner facettenreichen Ausformulierung haben, mehr noch als die Gläubigen selbst, religionskritische Stimmen entscheidenden Anteil. Ohne Zustimmung oder Ablehnung des Glaubens an ein Jenseits kommt neuzeitliche Religiosität nicht aus.